Etwas mehr Geduld bitte

Gastbeitrag der deutschen CRN.de Redaktion:

Ein alter, deutscher Sinnspruch lautet: »Eile mit Weile«. Das Sprichwort besagt, dass man zwar mit der gebotenen Schnelligkeit handeln, aber nichts überstürzen soll. Das chinesische Volk geht sogar noch einen Schritt weiter: »Ein Augenblick der Geduld kann vor großem Unheil bewahren, ein Augenblick der Ungeduld ein ganzes Leben zerstören«, lautet eine alte Weisheit der Asiaten.

Leider werden diese Erfahrungswerte heutzutage oft nicht mehr berücksichtigt: Im Zeitalter der Smartphones und Tablets wollen wir immer öfter alles sofort: Das Taxi oder die Pizza werden per App geordert, ein unbekanntes Wort lassen wir uns in Sekundenschnelle via Online-Lexikon erklären, den Titel und Interpreten eines schönen Songs aus dem Radio ermitteln wir ebenfalls mit einer App. Unseren Kopf oder unsere Beine strengen wir dafür immer weniger an.

Dennoch: Wir wollen keinesfalls moderne Errungenschaften schlecht reden. Tatsächlich bieten Smartphone & Co. ja auch unzählige Hilfen und Erleichterungen, die unseren Alltag einfacher machen. Die »Alles-sofort«-Mentalität hat allerdings auch negative Auswirkungen. Bei manchen Menschen zumindest. Da platzt der Kunde fast vor Ungeduld, weil er zwei Minuten auf eine Information warten muss. Das Angebot muss noch am gleichen Tag unterbreitet werden, der Bericht unverzüglich erstellt werden.

Dabei ist es gerade bei Entscheidungen von großer Tragweite wirklich unabdingbar, einmal ein paar Stunden nachzudenken, mit involvierten Kollegen zu diskutieren und schließlich auch Vor- und Nachteile abzuwägen. »Schnellschüsse« erweisen sich vielfach als nicht durchdacht und müssen oft kostspielig korrigiert werden. Das gerade im Businessbereich Entscheidungen gründlich ausgearbeitet werden müssen, ist manchen Mitmenschen jedoch kaum noch beizubringen: Die App macht das schließlich sofort.

Den gleichen Zeitgenossen – von manchen Menschen bereits abschätzig als »App-eleptiker« bezeichnet – fällt es indes oft schwer, simple Aufgaben im täglichen Umgang mit Kollegen oder Freunden zu erledigen. Anstatt sich mit zwei Personen wegen eines anstehenden Termins kurz über den Büroflur abzustimmen oder flink anzurufen, werden komplizierte E-Mails mit fünf Terminvorschlägen an drei verschiedenen Tagen verteilt. In diesem Fall wird mit dem Vorhaben der Effizienzsteigerung eine eigentlich einfache Abstimmung immens verkompliziert. Die ersehnte Beschleunigung wird so zu einer Entschleunigung.

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