Nachwuchssorgen im Channel – was kann getan werden?

von Heiner van den Berg

Es ist offiziell: Unternehmen in Industrie, Handel und Dienstleistung fehlt der Nachwuchs. Laut einer IHK-Umfrage konnte fast ein Viertel der Betriebe 2012/2013 nicht alle angebotenen Stellen besetzen. Und das in einem Jahr, in dem es eigentlich durch die Effekte der Umstellung auf das achtjährige Gymnasium ein deutliches Plus an Schulabgängern gibt. Der demografische Wandel ist an dieser Situation natürlich nicht unschuldig, und auch die Tatsache, dass immer mehr Jugendliche ein Studium anstelle der klassischen Lehrberufe anstreben, erklärt die Misere zumindest zum Teil. Ein weiterer Grund für die fatale Entwicklung liegt aber Meinung nach noch ganz woanders: die heutigen Jugendlichem wissen überhaupt nicht, was sich hinter den einzelnen Berufsbildern verbirgt. Die immer komplexeren Bezeichnungen, Anforderungen und Ausbildungsinhalte sorgen für eine schlichte Überforderung, wie Harald Töltl, der Leiter des Berufsbildungsbereiches der IHK Rhein-Neckar bestätigt: „Von den 350 Ausbildungsberufen, die es gibt, kennen die Jugendlichen vielleicht fünf oder zehn“.
Wie also kann dieses Dilemma gelöst werden? Mit mehr Geld oder Zukunftsversprechen wie einem Dienstwagen zu winken, ist laut IHK der falsche Weg. Zielführender seien vielmehr völlig andere Strategien: wenn Jugendliche nicht wissen, was sich genau hinter einem Beruf verbirgt, kann ein über eine Kooperation mit einer örtlichen Schule angebotenes Schnupperpraktikum die Nebel lichten. Während dieser Zeit sollten die Zukunftschancen in dem jeweiligen Beruf klar herausgestellt werden. Und falls das Klima im „Schnupperbetrieb“ auch noch stimmen sollte, sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass man die Praktikantin oder deren männliche Version bald als Azubi begrüßen dürfte. Denn: ein gutes Betriebsklima steht auf dem Wunschzettel des Nachwuchses ganz weit oben.
Darüber hinaus ist es dringend anzuraten, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sich (außer der Schule) noch bewegen. Und das sind, richtig, die sozialen Medien. Siemens setzt so schon seit langem auf soziale Netze wie Tumblr, um über seine Ausbildungsberufe zu informieren und den Dialog mit den Mitarbeitern von morgen zu eröffnen. Da diese dort zugleich ihre fachliche und soziale Kompetenz, den souveränen Umgang mit digitalen Medien und ihre Kreativität unter Beweis stellen können, ist eine klassische Win-Win-Situation gegeben.
Zum Thema „Social Recruiting“ hat das Magazin T3N einen hervorragenden Artikel mit vielen Tipps veröffentlicht. Vielleicht helfen Ihnen diese dabei ja, ihr Nachwuchsproblem in den Griff zu bekommen. Ich wünsche es Ihnen!

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