Am falschen Ende gespart

von Matthias Hilbert

Ob Sparsamkeit eine Tugend ist oder nicht, darüber herrschen geteilte Meinungen. Folgt man Immanuel Kant, ist sie das Gegenteil: „ Zur Sparsamkeit oder zum Sparen gehört weder Geschicklichkeit noch Talent. Wenn wir sie mit der Verschwendung gegeneinander halten, so gehört dazu, um ein Verschwender mit Geschmack zu sein, weit mehr Talent und Geschicklichkeit als zum Sparen“. Die Popularitätswerte Kants dürften in den Controlling-Abteilungen unserer Unternehmen insofern gegen Null tendieren. Dort gehört rigorose Sparsamkeit eindeutig zu den Kardinaltugenden – und ist leider in manchen Fällen ein Schuss, der nach hinten losgeht.

Beispiel: Verbrauchsmaterialien. Für jeden Mitarbeiter des Rechnungswesens muss eine Preisdifferenz von bis zu 90% zwischen einer Originaltintenpatrone und einer Refilled-Alternative eine ähnliche Wirkung haben wie der Honigtopf auf einen Bären. Und dass es das günstigste Druckerpapier genauso tut, wie hochpreisigere Herstellerempfehlungen, liegt doch auf der Hand, oder? Nun sind Controller ganz ohne Zweifel hochqualifizierte Mitarbeiter, die Budgeterstellung, Forecasting und Wirtschaftlichkeitsberechnungen aus dem FF beherrschen. Nur in den seltensten Fällen verfügen sie jedoch über solide Kenntnisse auf den Gebieten der physikalisch-chemischen Parameter von Tinten oder des Einflusses der im Druckerpapier verarbeiteten Partikelgröße auf dessen spezifische statische Aufladung. Diese durchaus nachvollziehbaren Wissenslücken zu füllen sollte dann die Aufgabe eines jeden Print Service Partners sein, der verhindern will, dass die Euros, die bei der Beschaffung von Supplies eingespart werden, am Ende des Tages in x-facher Potenz die Unternehmensbilanz belasten.

Ein kleiner technischer Crash-Kurs könnte dann so aussehen: Jeder Drucker ist konstruktionsbedingt auf eine bestimmte Rezeptur der verwendeten Tinten ausgelegt. Ist deren Viskosität höher oder niedriger als die Spezifikation des Herstellers, leidet darunter nicht nur die Druckqualität, sondern kann es zu Verstopfungen der Düsen kommen. Die Druckköpfe einer jeden Original-Cartridge haben zudem eine definierte Lebensdauer. Wird diese beispielsweise durch Refilling überschritten, sind ernsthafte Beschädigungen des Gerätes selbst nicht mehr auszuschließen. Billiges, aus groben Partikeln hergestelltes Papier wiederum produziert beim Druckprozess deutlich mehr Staub als qualitativ hochwertigere Sorten und belasted damit nicht nur die Atemluft, sondern mindert auch die Zuverlässigkeit und Lebensdauer des Druckers. Die höhere statische Aufladung minderwertiger Papiere führt darüber hinaus zu häufigen Papierstaus und damit verbundenen Produktivitätsausfällen. Durch die Verwendung von BLI oder ColorLok zertifizierten Papieren kann das zuverlässig verhindert werden.

Liebe Controller, die Verwendung von Originalsupplies und hochwertigen Papieren ist also keineswegs eine unnötige Verschwendung knapper Budgets, sondern eine technisch begründete Maßnahme zur Vermeidung teurer Folgekosten. Und was Immanuel Kant angeht: Er hat ausnahmsweise natürlich unrecht. Am richtigen Ende Sparen erfordert sehr viel Talent.

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